Menschenrechte

Die Achtung und Wahrung der Menschenrechte hat für uns höchste Priorität. Als Automobilhersteller stehen für uns dabei die Arbeitnehmerrechte, gerechte Arbeitsbedingungen sowie die Absage an jede Form der Diskriminierung und an Zwangs- und Kinderarbeit im Vordergrund. Die Verantwortlichkeit für Menschenrechtsfragen liegt im Vorstandsressort „Integrität und Recht“ und basiert maßgeblich auf den „UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“. Im Sinne des dort formulierten Anspruchs einer Menschenrechts-Policy haben wir operative Verantwortlichkeiten und Herangehensweisen in unserer „Richtlinie für integres Verhalten“, den „Supplier Sustainability Standards“ und in den Zuliefererverträgen als zentrale Anforderung an alle Mitarbeiter und Geschäftspartner festgeschrieben.

Wir unterscheiden in der Vorgehensweise zur Achtung der Menschenrechte zwischen unseren eigenen Produktionsstätten, wo wir über die bestehenden Risikoprüfungen hinaus zurzeit ein umfassendes „Human Rights Respect System“ aufbauen, dem Vertrieb, wo wir vorwiegend Einzelprüfungen vornehmen, unseren direkten Zulieferern (Tier 1) sowie weiteren Geschäftspartnern und nachgelagerten Zulieferern (indirekter Einfluss).

Due-Diligence-Prüfungen an den Produktionsstätten. An unseren Produktionsstätten schließt unser operativer Menschenrechtsansatz eine Risikobewertung im Rahmen eines Due-Diligence-Prozesses im Sinne der UN-Leitprinzipien ein. Er dient dazu, landesspezifische Risiken zu identifizieren. Unter anderem nutzen wir hierfür das Instrument der Human Rights Compliance Assessments (HRCA) des Dänischen Instituts für Menschenrechte. Unser Ziel, bis Ende 2015 insgesamt 19 Länderanalysen vorzunehmen, haben wir fast erreicht. Bis Ende 2014 wurden 16 Länder mit dem HRCA untersucht:

  • 2012: Deutschland, Mexiko und Ägypten,
  • 2013: Japan, Frankreich, Ungarn, Südafrika, Brasilien, Indien, Spanien und die USA,
  • 2014: Tschechische Republik, Türkei, Argentinien, Kanada und Indonesien.
  • 2015 sollen noch die Länder Portugal, Rumänien und Großbritannien folgen.

Ergebnisse der Assessments. Die Länderanalysen haben keinen signifikanten Handlungsbedarf für die Daimler-Einheiten in Mehrheitsbeteiligungen aufgezeigt, jedoch an einzelnen Standorten Optimierungspotenziale offengelegt. Diese betreffen finanzielle Sonderleistungen des Unternehmens (etwa Sonderzahlungen im Mutterschutz oder Sozialleistungen für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen), Hintergrundprüfungen für risikobehaftete Dienstleister oder Informationslücken in Bezug auf die Bekanntheit integritätsfördernder Instrumente. Wir haben die identifizierten Lücken geschlossen. Damit gehen unsere Regelungen über die vor Ort gültigen gesetzlichen Anforderungen hinaus. Im Berichtsjahr gab es auf Basis unserer Analysen zudem im Daimler-Konzern keinerlei Verdachtsfälle auf Kinder- oder Zwangsarbeit, auf Verstöße gegen das Recht auf Kollektivverhandlungen oder die Vereinigungsfreiheit. Ureinwohner sind von Unternehmensaktivitäten an unseren Produktionsstandorten nicht betroffen.

Vom HRCA zum „Daimler Human Rights Respect System“. Basierend auf den Erfahrungen aus den Compliance Assessments, die bis Ende 2015 abgeschlossen werden, haben wir im Berichtsjahr begonnen, ein Konzept für ein systematisches und kontinuierliches „Daimler Human Rights Respect System“ zu entwickeln. Es soll ab 2016 die Human Rights Compliance Assessments ablösen. Die Konzeption für dieses System umfasst im Wesentlichen vier Prozessschritte:

  1. Risikoidentifikation: Für die Identifikation potenzieller Menschenrechtsrisiken sind unter anderem folgende konstituierende Parameter entscheidend: die generelle menschenrechtliche Gefährdungslage in definierten Ländern mit operativen Daimler-Einheiten, das Geschäftsmodell dieser Einheiten sowie die Möglichkeit der Einflussnahme.
  2. Programmsteuerung: Um die potenziellen menschenrechtlichen Risiken für Daimler auf Basis der Risikoidentifikation systematisch anzugehen, stehen bereits eine Reihe unterschiedlicher Maßnahmen im Rahmen der Programmsteuerung zur Verfügung oder sind noch zu entwickeln.
  3. Monitoring: Ein Monitoring, das sich vor allem auf Hochrisikoeinheiten richtet, unterstützt den Regelprozess des Daimler-Menschenrechtsansatzes. Dadurch können die Angemessenheit und Effektivität des Systems regelmäßig überprüft und verbessert werden.
  4. Reporting: Ein umfassendes Reporting bildet den vierten Prozessschritt des „Daimler Human Rights Respect System“. Es dient dazu, intern regelmäßig über kritische Fragestellungen zu berichten und externe Berichtsanforderungen zu erfüllen.
Daimler Human Rights Respect System

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Da bei der Entwicklung dieses Konzepts nicht auf existierende Systeme zurückgegriffen werden konnte, wurde es in einem bereichsübergreifenden Prozess entwickelt. Zudem haben wir Machbarkeits- und Anforderungsanalysen durchgeführt und zentrale Fragestellungen beim „Daimler Sustainability Dialogue“ 2014 mit externen Stakeholdern diskutiert, deren Anregungen wir schrittweise integrieren.

„Daimler Sustainability Dialogue“ 2014

Schulungen. In unseren Mitarbeiterschulungen behandeln wir auch Menschenrechtsthemen. Intensiver werden ausgewählte Zielgruppen (wie etwa das interne und externe Sicherheitspersonal) dazu geschult.

Verdachtsfälle verfolgen. Bei Verdacht auf Verletzung von Menschenrechten steht intern wie extern unser Hinweisgebersystem BPO zur Verfügung, um auch im Sinne der dritten Säule der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte einen „Zugang zu Abhilfe“ zu schaffen. Auch in Bezug auf unsere Lieferanten gibt es einen etablierten Beschwerdemanagementprozess über die Weltarbeitnehmervertretung.

Hinweisgebersystem BPO

Menschenrechte und Zulieferer. Für direkte Daimler-Zulieferer ist die Achtung der Menschenrechte fester Bestandteil der „Supplier Sustainability Standards“ sowie der Vertragsbedingungen. Um Menschenrechtsthemen auch in der hochkomplexen Zuliefererkette anzusprechen, auf die wir nur indirekten Einfluss haben, setzen wir Kommunikations- und Trainingsmaßnahmen ein. Die Einhaltung der Nachhaltigkeitsstandards bei unseren Lieferanten überprüfen wir in einem mehrstufigen Prozess auf Basis einer Risikoanalyse, die wir nach Ländern und Warengruppen vornehmen.

Lieferanten