Umweltgerechte Produktentwicklung

Welche ökologischen Lasten ein Fahrzeug verursacht, entscheidet sich weitgehend schon in den ersten Entwicklungsphasen. Je früher die umweltgerechte Produktentwicklung (Design for Environment, DfE) in den Entwicklungsprozess integriert ist, desto effizienter kann sie Umweltauswirkungen minimieren. Deshalb ist die stetige Verbesserung der Umweltverträglichkeit eine wichtige Anforderung bei der Festlegung der Produktlastenhefte. Unsere DfE-Experten sind als Querschnittsteam in alle Stufen der Fahrzeugentwicklung eingebunden.

Zudem integrieren wir die Produktgestaltung systematisch in unsere Umwelt- und Qualitätsmanagementsysteme nach ISO 14001 und ISO 9001. Die hierfür relevante Norm ISO 14006 erfüllt Mercedes-Benz seit 2012 vollständig. Bereits seit 2005 besitzt Mercedes-Benz zudem als weltweit erster Fahrzeughersteller Zertifikate nach ISO TR 14062, der Norm für umweltorientierte Produktentwicklung.

  • Umweltmanagement in der Produktentwicklung

    Umweltmanagement in der Produktentwicklung

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    Die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit unserer Fahrzeuge sind integrale Aspekte der Fahrzeugentwicklung. Sie werden in den zuständigen Gremien diskutiert und entsprechend umgesetzt. Die Fahrzeuglastenhefte und die Meilensteine (Quality Gates) im Entwicklungsprozess dokumentieren die Umweltauswirkungen und -anforderungen für den gesamten Produktentwicklungsprozess.
  • Mercedes-Benz Modelle mit Umwelt-Zertifikat

    Als weltweit erstes Automobil erhielt die Mercedes Benz S-Klasse bereits 2005 ein Umweltzertifikat nach ISO/TR 14062, der Norm für umweltgerechte Produktentwicklung. Mit dem Prüfsiegel bestätigte die Zertifizierungsstelle des TÜV Süd, dass das Fahrzeug in allen Aspekten nach den Anforderungen der ISO-Norm entwickelt wurde. Heute tragen weitere Modelle das Umweltsiegel: die A-Klasse und B-Klasse, die C-Klasse, der CLA, der CLS, der GLA, GLK, die E-Klasse, die M-Klasse, die S-Klasse, der SL und der SLK.

    Bei der Umweltbewertung stehen über 40.000 Einzelprozesse auf dem Prüfstand. Aus deren Analyse, Berechnung und Bewertung ergibt sich ein umfassendes Ökoprofil. Dabei beurteilen die Prüfer alle umweltrelevanten Prozesse, von der Entwicklung über die Produktion und Nutzung bis zur Verwertung.

    Die Umwelt-Zertifikate der Mercedes-Benz Modelle

Ganzheitliche Bilanzierung. Um die Umweltverträglichkeit eines Fahrzeugs bewerten zu können, müssen die Emissionen und der Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden. Das standardisierte Werkzeug hierfür ist die Ökobilanz. Sie erfasst alle Umweltwirkungen von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis hin zur Verwertung. In der Mercedes-Benz Entwicklung setzen wir Ökobilanzen ein, um verschiedene Fahrzeuge, Bauteile und Technologien zu bewerten und zu vergleichen.

Ganzheitliche Bilanzierung

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Weniger Gewicht, mehr Rezyklate, mehr Naturmaterialien. Unser Ziel ist es, unsere Fahrzeuge leichter zu machen und zugleich die Umweltauswirkungen der eingesetzten Materialien weiter zu verringern. Dazu setzen wir zum einen auf neue, leichte Werkstoffe und Bauteile. Zum anderen verwenden wir vermehrt nachwachsende Rohstoffe und Recyclingmaterialien.

Intelligenter Leichtbau kann das Gewicht eines Fahrzeugs weiter reduzieren, ohne dass Abstriche an Sicherheit und Komfort die Folge wären. Neben der Materialauswahl spielen dabei auch die Bauteilkonstruktion und die Fertigungstechnik eine wichtige Rolle: Nicht jedes Material eignet sich für jedes Bauteil. Der höchste Anteil am Gesamtgewicht eines Fahrzeugs entfällt mit 35 Prozent auf den Rohbau. Es folgen das Fahrwerk mit 25 Prozent, die Komfort- und Sicherheitsausstattungen mit 20 Prozent sowie Motor und Getriebe mit 20 Prozent. Somit ist es am effektivsten, am Rohbau anzusetzen.

Leichtbau-Champion C-Klasse. Die innovative Aluminium-Hybridkarosserie der neuen C-Klasse ist etwa 70 Kilogramm leichter als eine herkömmliche Karosserie aus Stahl. Insgesamt konnte das Fahrzeuggewicht im Vergleich zum Vorgänger sogar um bis zu 100 Kilogramm verringert werden. Das zahlt sich aus: Der Leichtbau trägt bei der neuen C-Klasse zu einem Minderverbrauch von bis zu 20 Prozent bei. Der Aluminiumanteil im Rohbau ist gegenüber dem erfolgreichen Vorläufer von unter 10 Prozent auf fast 50 Prozent angestiegen.

Werkstoffe in der neuen C-Klasse. Knapp die Hälfte (46,9 Prozent) des Fahrzeuggewichts der neuen C-Klasse geht auf Stahl- und Eisenwerkstoffe zurück. Leichtmetalle machen mit 22 Prozent die zweitgrößte Fraktion aus, gefolgt von den Polymerwerkstoffen mit 20,2 Prozent. Der Anteil der sonstigen Werkstoffe – vor allem Glas – und Buntmetalle liegt insgesamt bei etwa 6 Prozent. Unterschiede zeigen sich aber vor allem beim Stahl und den Leichtmetallen. So liegt der Stahlanteil bei der neuen C-Klasse rund 10 Prozent unter dem des Vormodells, während der Anteil der Leichtmetalle etwa 9 Prozent und der Polymeranteil rund 1 Prozent höher ist. Dies geht vor allem auf Leichtbaumaßnahmen im Bereich der Karosserie und der Achsen zurück.

Werkstoffanteile im Rohbau der neuen C-Klasse und des Vormodells
Werkstoffanteile im Rohbau der neuen C-Klasse und des Vormodells
Werkstoffzusammensetzung der neuen C-Klasse
Werkstoffzusammensetzung der neuen C-Klasse

Stärkere Nutzung von Recyclingmaterial. Die europäische Altfahrzeugrichtlinie 2000/53/EG gibt Verwertungsquoten für Pkw und Transporter mit einem Gesamtgewicht von bis zu 3,5 t vor. Außerdem fordert sie dazu auf, bei der Fahrzeugherstellung mehr Recyclingmaterial zu verwenden, um so die Märkte für Rezyklatwerkstoffe zu stärken. Die Lastenhefte neuer Mercedes-Benz Modelle schreiben deshalb – wie auch im Zieleprogramm hinterlegt – vor, den Rezyklatanteil in den Pkw-Modellen stetig zu erhöhen.

Bei der neuen C-Klasse sind 52 Bauteile mit einem Gesamtgewicht von 49,3 Kilogramm für den Einsatz rezyklierter Kunststoffe freigegeben. Dies entspricht 3,7 Prozent des Fahrzeuggewichts und gut 29 Prozent aller im Fahrzeug eingesetzten thermoplastischen Werkstoffe. Beim Vorgängermodell lag der Anteil noch bei nur 2,8 Prozent des Fahrzeuggewichts.

Mehr nachwachsende Rohstoffe. Nachwachsende Rohstoffe bieten viele Vorteile:

  • Anders als Glasfasern verringern Naturfasern wegen ihrer geringeren Dichte meist das Bauteilgewicht;
  • sie können mit etablierten Technologien verarbeitet werden;
  • die aus ihnen hergestellten Produkte sind in der Regel gut verwertbar;
  • bei energetischer Verwertung ist ihre CO2-Bilanz fast neutral, da nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanze während des Wachstums aufgenommen hat;
  • sie tragen dazu bei, den Verbrauch der begrenzten fossilen Ressourcen zu reduzieren.

Naturmaterialien in der neuen C-Klasse. 76 Bauteile der neuen C-Klasse werden unter Verwendung nachwachsender Rohstoffe hergestellt; sie wiegen insgesamt 26,3 Kilogramm. Damit hat sich das Gesamtgewicht der mit Naturmaterialien hergestellten Komponenten gegenüber dem Vorgängermodell um 55 Prozent erhöht.

Bestwerte in Aerodynamik. Mit einem cW-Wert von 0,24 setzt der neue C220 BlueTEC Blue Efficiency Edition einen neuen Standard in der Mittelklasse. In der Fahrpraxis bringt das messbare ökologische und ökonomische Vorteile. Denn eine gute Aerodynamik trägt entscheidend zu niedrigeren Verbrauchs- und CO2-Werten bei. So bewirkt ein um 0,01 niedrigerer cW-Wert im NEFZ-Fahrzyklus eine Einsparung von 1 Gramm CO2 pro Kilometer. Im gemittelten Realverbrauch ergeben sich sogar über 2 Gramm weniger CO2 pro Kilometer. Noch deutlicher zahlt sich eine ausgefeilte Aerodynamik auf der Autobahn aus. Hier verringert ein um 0,01 verbesserter cW-Wert den CO2-Ausstoß pro Kilometer um mehr als 4 Gramm CO2 – für Daimler gute Gründe, größten Wert auf eine exzellente Aerodynamik zu legen.

Das Umweltprofil der neuen C-Klasse
Das Umweltprofil der neuen C-Klasse