Supply Chain Management
Der Einkauf des Daimler-Konzerns besteht aus den drei Einkaufsbereichen „Procurement Mercedes-Benz Cars and Vans“, „Procurement Daimler Trucks and Buses“ sowie „Einkauf Nichtproduktionsmaterial – International Procurement Services“ und ist an über 50 Standorten weltweit vertreten. Ziel des Einkaufs ist es, ein weltweit effektives Lieferantennetzwerk zu schaffen und damit zum Unternehmenserfolg von Daimler beizutragen.
Erfolgreiche Pilottrainings zur Nachhaltigkeit in der Lieferkette
Im Mai 2010 haben wir gemeinsam mit Ford, General Motors, Renault und Toyota erstmals Pilottrainings zu Nachhaltigkeit für Lieferanten in der Türkei angeboten. Organisiert wurden die Schulungen von der Automotive Industry Action Group (AIAG), einem amerikanischer Verband für Standardisierungsaktivitäten in der Automobilindustrie. Die gemeinsame Ausrichtung für verschiedene Hersteller und Zulieferer ist effizienter und zeigt den Lieferanten, welche große Bedeutung die Hersteller dem Thema beimessen.
Schwerpunkte der Schulungen in der Türkei waren Arbeitsbedingungen sowie Umweltstandards und die damit verbundenen Anforderungen an die Managementsysteme. Ein einheimischer Anwalt informierte über landesrechtliche Bestimmungen. Etwa 140 Lieferanten nahmen teil, darunter 13 Zulieferer des Daimler-Konzerns aus den Einkaufsbereichen Nutzfahrzeuge (PTB) sowie Nicht-Produktionsmaterial und Dienstleistungen (IPS). „Das Interesse der Teilnehmer war sehr groß, die Resonanz durchweg positiv“, resümiert Celil Kayserilioglu, Leiter Einkauf Trucks & Buses Türkei.
Alle Lieferanten waren sich einig, dass sich die Ergebnisse des Trainings im operativen Geschäft ihrer Unternehmen und Zulieferer niederschlagen werden – dadurch erreicht das Thema Nachhaltigkeit auch kleinere Firmen in der Lieferkette. Die Mehrheit der Teilnehmer sprach sich sogar für regelmäßige Schulungen aus, um nachhaltiges Handeln gemeinsam voranzubringen. Aufgrund der erfolgreichen Türkei-Initiative hat Daimler gemeinsam mit anderen Automobilherstellern im Herbst 2010 weitere Pilottrainings in Brasilien angeboten. Unter den rund 500 teilnehmenden Firmen waren etwa 40 Lieferanten von Mercedes-Benz. Ab 2011 wollen wir die Schulungen gezielt für Lieferanten in Risikoländern einsetzen.
Unsere Standards und Anforderungen
Wir streben eine nachhaltige und effiziente Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern an, in der Einvernehmen über genseitige Erwartungen und Verpflichtungen herrscht. Dazu zählen für uns:
- klar definierte Leistungskriterien (Qualität, Technologie, Kosten, Liefertreue),
- die Werte Fairness, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit,
- Nachhaltigkeitsstandards, die wir in einer eigenen Lieferantenrichtlinie formuliert haben.
Unter dem Motto „Commitment to Excellence“ definiert das Daimler Supplier Network (DSN) die Geschäftsphilosophie des Daimler-Einkaufs. Seine Prinzipien sind Leistung und Partnerschaft: Lieferantenleistungen werden mithilfe der External Balanced Scorecard nach Qualität, Technologie, Kosten und Liefertreue gemessen. Zum Prinzip Partnerschaft zählen wir Fairness, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit.
Nachhaltigkeit als Grundsatz. Unsere Erwartungen in Bezug auf ökologische, soziale und geschäftsethische Anforderungen haben wir in der „Richtlinie zur Nachhaltigkeit für Lieferanten“ formuliert. Seit Ende 2010 ist sie verbindlicher Bestandteil der Mercedes-Benz Special Terms und der Allgemeinen Einkaufsbedingungen, die für einen Großteil unserer Lieferanten gelten. Weitere Vertragswerke werden weltweit sukzessive angepasst. Schulungen zu Nachhaltigkeit und Compliance gehören zum verbindlichen Programm für neue Mitarbeiter.
Wir wollen gemeinsam mit unseren Lieferanten sicherstellen, dass entlang der gesamten Zulieferkette Nachhaltigkeitsstandards beachtet werden. Daher haben wir in unserer Richtlinie zur Nachhaltigkeit die Anforderungen an ein nachhaltiges Geschäftsverhalten unserer Lieferanten formuliert. Die Richtlinie orientiert sich an internationalen Standards wie dem United Nations Global Compact und ergänzt bestehende Daimler-Regelwerke wie die Verhaltensrichtlinie, die Grundsätze zur sozialen Verantwortung und die Umweltleitlinien des Konzerns.
Seit Ende 2010 ist die Richtlinie zur Nachhaltigkeit verbindlicher Bestandteil der Mercedes-Benz Special Terms und der Allgemeinen Einkaufsbedingungen, die für einen Großteil unserer Lieferanten gelten. Weitere Vertragswerke werden weltweit sukzessive angepasst.
Zentrale Anforderungen der Richtlinie:
Arbeitsbedingungen/Personal
Daimler bekennt sich zur Einhaltung der Menschenrechte und setzt sich hierfür aktiv ein. Wo es uns möglich ist, unterstützen wir deren Verbreitung auch bei unseren Lieferanten. Bei der Verfolgung konkreter Verdachtsfälle zu Menschenrechtsverletzungen innerhalb unserer Zulieferkette arbeiten wir eng mit unserer Weltarbeitnehmervertretung zusammen. Im Rahmen eines gemeinsam definierten Prozesses ist die strukturierte Nachverfolgung der Verdachtsfälle sichergestellt.
Umweltstandards
Unser Anspruch, möglichst umweltverträglich zu produzieren, reicht über unsere eigenen Werksgrenzen hinaus: Wir achten auch bei den Materialien und Bauteilen, die wir von Zulieferern beziehen, auf eine umweltschonende Produktionsweise. Die Kriterien zur Materialauswahl und zu Recyclinganforderungen haben wir in den Mercedes-Benz Special Terms verankert. Zu diesen Themen stehen wir im ständigen Austausch mit unseren Lieferanten. Unsere Zulieferer erfüllen die ISO-Norm 14001 oder können einen vergleichbaren Standard vorweisen.
Integrität
Eine konsequente Bekämpfung von Korruption ist uns äußerst wichtig. Unsere Daimler-Verhaltensrichtlinie haben wir an alle unsere Geschäftspartner kommuniziert. Außerdem ist das Thema Integrität und Compliance integraler Bestandteil unserer Schulungen für neue Einkaufsmitarbeiter. Ein vermutetes Fehlverhalten können unsere Mitarbeiter und Lieferanten an das zentrale Business Practices Office (BPO) melden, auf Wunsch auch anonym. Diskriminierung, beispielsweise aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Alter oder politischer Überzeugung, ist in jeglicher Form unzulässig.
Download der Daimler-Richtlinie zur Nachhaltigkeit für Lieferanten: PDF, 108 KB
Die konsequente Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards in der Lieferkette hat eine hohe Bedeutung nicht zuletzt für unsere Unternehmensreputation. Deswegen ist sie ein Thema, zu dem wir uns auch mit unseren Stakeholdern intensiv austauschen, etwa beim Daimler „Sustainability Dialogue“. Außerdem stehen wir mit unseren Wettbewerbern im Gespräch, um gemeinsam einheitlichere Standards voranzubringen (vgl. dazu die Vertiefung).
Umsetzung und Monitoring
Wir setzen verschiedene Instrumente ein, um die Umsetzung unserer Anforderungen zu unterstützen und zu prüfen. Dazu zählen Schulungen, Dialog- und Kommunikationsmaßnahmen. 2010 haben wir als Pilotprojekte Lieferanten-Selbstauskünfte (Self-Assessments) sowie Lieferanten-Trainings zur Nachhaltigkeit auf den Weg gebracht (siehe Vertiefung). Beide Maßnahmen haben sich bewährt und werden 2011 als Standardinstrumente eingeführt. Damit wir unsere Lieferanten gezielt auf die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards hin überprüfen und schulen können, haben wir eine Risikoanalyse nach Ländern und Warengruppen vorgenommen. So sollen ab 2011 Lieferanten, die wir in unserer Risikoanalyse identifiziert haben, über einen Onlinefragebogen Auskunft darüber geben, in welchem Umfang sie die Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen. Je nach Ergebnis dieses Sustainability-Self-Assessment kann sich ein Audit oder eine Trainingsmaßnahme anschließen. Bei schwerwiegenden Verstößen behalten wir uns weitere Maßnahmen vor.
