Naturschutz, Flächennutzung und Artenvielfalt

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Wir betrachten den Schutz von Boden und Grundwasser als eine unserer verantwortungsvollsten Aufgaben im Umweltschutz. Oberstes Ziel ist es, Verunreinigungen im Vorfeld zu vermeiden.

Boden- und Grundwasserschutz. Technische Einrichtungen wie Auffangwannen, doppelwandige Behälter, speziell abgedichtete Bodenbeläge und Leckwarngeräte verhindern, dass wassergefährdende Flüssigkeiten in den Boden eindringen. Da die gesetzlichen Vorgaben weltweit sehr unterschiedlich sind, hat Daimler einen internen Leitfaden erstellt, der Mindeststandards zum Umgang mit Boden- und Grundwasserverunreinigungen für alle Standorte festschreibt.

Flächennutzung. Die Gesamtfläche unserer Produktionswerke beträgt rund 4000 Hektar, davon sind 55 Prozent durch Gebäude oder Verkehrsflächen versiegelt. Da Boden ein begrenztes öffentliches Gut ist, nutzen wir Flächen möglichst intensiv, etwa durch mehrstöckige, dichte Bebauung. Dabei finden auch in dieser Industriearchitektur bedrohte Tierarten einen Lebensraum, wie zum Beispiel die Wanderfalken auf einem Kamin im Werk Wörth. Freiflächen auf den Werksgeländen legen wir in Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen und Behörden immer häufiger als artenreiche Wiesen anstelle von Parkrasen an.

Naturschutz und Schutzgebiete

Im Rahmen der internen Daimler-Bewertung von Umweltrisiken werden Produktionsstätten, die in geschützten oder umweltgefährdeten Gebieten liegen, erfasst. Zurzeit grenzt nur die Produktionsstätte in Rastatt, Deutschland, an ein Naturschutzgebiet (gemäß der EU-Richtlinie 92/43/EEC vom 21. Mai 1992 zum Schutz von Fauna, Flora und Habitaten). Angemessene Schutzmaßnahmen wurden schon in der Planung der Produktionsstätte berücksichtigt. Zusätzlich wurden am Standort spezielle Gebiete, die der Erholung von Populationen seltener und gefährdeter Arten dienen, eingeplant. Zehn Jahre nach dem Produktionsbeginn lieferte die Überprüfung der ergriffenen Maßnahmen durch unabhängige, externe Prüfer positive Ergebnisse.

Besondere Schutzmaßnahmen wurden ebenfalls bei der Prüfstrecke in Papenburg durchgeführt.

 

Details zu den Ausgleichsmaßnahmen bei der Prüfanlage Papenburg

Naturschutzausgleichsmaßnahmen zur Wiederherstellung einer naturnahen Hochmoorlandschaft

Südöstlich von Papenburg im Emsland hat Daimler zwischen 1995 und 1997 ein hochmodernes Prüfgelände für Pkw und Lkw gebaut. Für die Teststrecke auf einem Areal von rund 950 Hektar mussten etwa 108 Hektar Boden versiegelt werden. Daimler war deswegen naturschutzrechtlich zu Ausgleichsmaßnahmen auf einer Fläche von 1.018 Hektar in der näheren Umgebung der Anlage verpflichtet. Der vormalige Hochmoorcharakter dieser Landschaft war in den Jahrzehnten zuvor durch industrielle Abtorfung und anschließende forstliche und landwirtschaftliche Nutzung weitgehend verloren gegangen. Die ursprüngliche Flora und Fauna war nahezu vollständig verdrängt worden, hochmoortypische Vegetation war nur in kleinen Restflächen erhalten.

Ziel des Kompensationskonzeptes war es daher, Landschafts-, Biotop- und Habitatstrukturen zu entwickeln, die einen Ausgleich für die Verluste schaffen und noch bestehende Hochmoorrestbestände dauerhaft sichern. Die im Jahr 1997 gestarteten Maßnahmen umfassten die Anlage und Entwicklung von 509 Hektar Hochmoorregenerationsflächen, 278 Hektar Hochmoorheideflächen, 125 Hektar Wiesenvogelbrutflächen und 106 Hektar Wald.

Die ökologische Beweissicherung bescheinigt uns eine vollständige und hervorragende Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen, die einen wesentlichen Beitrag zum Artenschutz in der Region leisten. Die erhobenen Daten weisen in den Gebieten heute viele hochwertige Lebensräume aus. Dagegen sind die als ökologisch geringwertig eingestuften Flächen im Zeitraum von 1993 bis 2009 um nahezu 700 Hektar (81 Prozent) zurückgegangen. Alle anderen Wertstufen, besonders die Flächen mittlerer, aber auch die mit sehr hoher Wertigkeit, haben zugenommen.

So bestand die 178 Hektar große Fläche des Wilden Moores vor Umsetzung der Maßnahmen aus vegetationsfreien, trockenen Torfflächen. Bereits 2 Jahre nach der sogenannten Vernässung war die Wiederbesiedlung durch typische Vegetation, wie Torfmoose oder Wollgrasarten, erkennbar. Zahlreiche Tierarten, insbesondere Wat- und Wasservögel, finden hier wieder einen Lebensraum. Insgesamt 12 Libellenarten, darunter diverse Arten der Roten Liste für Niedersachsen, haben hier starke Populationen ausgebildet.

Insgesamt ist auf den Ausgleichsflächen die Zahl der nachgewiesenen Vogelarten stark angestiegen. Unter anderem brütet der vom Aussterben bedrohte Raubwürger im südlichen Prüfgelände. Auch der stark gefährdete und streng geschützte Moorfrosch hat sich auf den Kompensationsflächen überraschend stark verbreitet. Libellen, die auf Wasser angewiesen sind, finden hier ideale Lebensräume vor; ihre Vielfalt hat sich von 23 Arten (1992) auf 34 Arten (2004) erhöht. Und auch bestandsbedrohte Reptilien wie Schlingnattern und Kreuzottern werden mittlerweile wieder angetroffen. Für die weitere Kontrolle und Erhaltung der Gebiete bleiben wir auch in Zukunft aktiv.

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